Emma und Alice

 

Die Anfänge der "Emma"

Cover der ersten Emma, (c) EmmaAm 26. Januar 1977 erschien eine Startauflage von 200.000 Exemplaren - und sie war innerhalb von drei Tagen verkauft, ebenso wie 100.000 nachgedruckte. Nicht nur an die Kritiker, die sich auf das feministische Blatt stürzten und den radikalen Neuling extrem kritisch unter die Lupe nahmen, sondern auch an "die Leserinnen".
Die waren, entgegen dem Zielpublikum der bestehenden, meist kleineren feministischen Zeitschriften, nicht mehr nur in der eigenen Szene zu finden - "Emma" griff weiter hinaus und versuchte durch einen allgemeineren, mehr auf politische und gesellschaftliche Themen ausgerichteten Ansatz auch die Frauen zu erreichen, die sich nicht bereits intensiv engagierten und sich in Theoriediskussionen verlieren konnten.
Heute ist "Emma" das populärste Mediums für Frauenfragen in Deutschland - obschon nur ca. 60.000 Exemplare pro Heft verkauft werden, kennt jeder zweite Deutsche die Zeitschrift und ihren Ansatz.

Die Anfänge der "Emma" waren sehr kontrovers - nicht nur gab es kritische Reaktionen der bestehenden Medieninstitutionen, die den Neuling als zu extrem einstuften und die Propagandierung eines feministischen "Männer-Feindbildes" zu erkennen glaubten, sondern auch die Reihen der Feministinnen äußerten sich keineswegs immer positiv. Vielen von ihnen war die neue Zeitschrift nicht radikal genug, andere sahen patriachale hierarchische Strukturen aufgenommen, da Alice Schwarzer alleinige Gesellschafterin der Verlags-GmbH Emma war und als Chefredakteurin erheblichen Einfluß auf ihre Reaktion nahm.

Dabei war die Zielsetzung, als Alice Schwarzer 1976 Journalistinnen, Grafikerinnen und andere Expertinnen ansprach, die, eine populäre feministische Zeitschrift ins Leben zu rufen, die völlig in Frauenhand liegen würde. Sie wollten ein Medium schaffen, um unabhängig über Frauenfragen in Deutschland diskutieren zu können. Der Bedarf war da, das Interesse auch, der Wagemut verließ die meisten Angesprochenen jedoch erst einmal.

Das Kapital zur Gründung der Zeitschrift mit dem sehr konkreten und somit einprägsamen Namen "Emma" - der absichtlich nichts Extravagantes oder Kriegerisches haben sollte - kam aus dem Erlös des Buches "Der kleine Unterschied", in dem Alice Schwarzer über Sexualität als Waffe im Kampf der Geschlechter schrieb und damit berühmt - und bei anderen "berüchtigt" wurde.

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