Emma und Alice

 

Auch heute aktuell

Das anfangs sehr kleine Redaktionsteam in den großzügigen Büroräumen in Köln wuchs mit dem Interesse an der Zeitschrift rasch heran und etablierte sich. Die Themen, derer sich "Emma" annahm, waren brisant - vor allem sexuelle Tabus wie homosexuelle Liebe und Inzest kratzten an den Grenzen des bisher in populären Zeitschriften Veröffentlichten. Rechtsfragen, politische Diskussionen, aber auch ganz konkrete Alltagstipps wie "Selbst ist die Frau" hoben "Emma" aus den Reihen der spezialisierten feministischen Zeitschriften ab.
Dabei beließ es "Emma" nicht nur dabei, zu schreiben und zu enthüllen, sie wurde als selber aktiv, initiierte Proteste wie zum Beispiel gleich 1977 gegen Klitorisverstümmelungen oder 1978 die Klage gegen den Stern wegen pornographischer Titelbilder, 1984 eine Aktion für Essgestörte.

In neuster Zeit werden auch Artikel von männlichen Autoren in der "Emma" veröffentlicht - die harten Grenzen des Geschlechterkrieges aus den 70ern und 80ern existieren nicht mehr unangefochten. Das macht sich auch in der Reaktion der Leser auf althergebrachte Themen und Formulierungen bemerkbar: die Einteilung der Menschen in "Schwanzlose" und "Wettpisser" ist selbst unter den engagierten Leserinnen und Lesern nicht mehr zeitgemäß, was dazu führt, dass nach einer Umfrage des Allensbacher Meinungsforschungsinstitutes die "Emma" heute als männerfeindlicher und verbissener gilt als noch 1996.
Die Gallionsfigur der Zeitschrift, Alice Schwarzer, sieht "Emma" jedoch heute noch als genau nötig und wichtig an wie zu Beginn, denn obwohl Frauen in vielen gesellschaftlichen, beruflichen und politischen Bereichen immer mehr Einfluß und Gleichberechtigung gewonnen haben, sind viele traditionelle Probleme noch lange nicht ausgeräumt, nur weniger augenfällig. Hinzu kommen zahlreiche Themenbereiche der "Emma", die ohnehin zeitlos sind und generationenübergreifend interessant.
Ein Blick auf die Leserschaft scheint ihr Recht zu geben: die Leserinnen der "Emma" sind heute meistens zwischen 20 und 39 Jahren alt und somit weit davon entfernt, mit ihrer Zeitschrift zusammen alt zu werden und auszusterben.

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